Fahrtechnik-Kurs bei TrailXperience

MTB-Marathons stellen – genehmigungsbedingt – zumeist keine besonders hohen Anforderungen an die Fahrtechnik der Teilnehmer. Uphill-Rennen sowieso. Dementsprechend hab ich mich fahrtechnisch absolut unterbemittelt die letzten Jahre so durchgemogelt. Aber mit der Zeit reifte die Erkenntnis, dass Schnellfahren”wollen” nicht alles ist. Technisch schwierige Stellen zu fahren anstatt runter zu schieben hat auch was. Und spätestens mit dem Erwerb des giftgrünen Spaßmobils war ein Fahrtechnik-Lehrgang Pflicht. Bei der Auswahl des Anbieters fiel die Wahl leicht: TrailXperience bietet das ganze Jahr über eine Vielzahl von Kursen für Einsteiger und Fortgeschrittene u. a. in unmittelbarer Nähe meines Wohnorts im Allgäu an und den Firmengründer Tobi Krause und seine sympathische Firmen-Philosophie kannte ich schon von den Anfangszeiten des Kemptener Biketreffs vor einigen Jahren. Also mal großspurig den Wochenend-Kurs “TrailRide Allgäu Advanced” gebucht und schnell den Passus überlesen, dass dafür zuvor ein Basic- und Advanced-Grundkurs empfohlen wird. Hätte nicht geschadet, denn Schwerpunkt des Trailride-Kurses sollte die Anwendung der bei mir so gut wie nicht vorhandenen Fahrkünste im Gelände sein…

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Naja, auch mein Mitschüler Marcel aus Frankfurt (der Kurs wurde tatsächlich trotz nur zwei Teilnehmern durchgeführt) musste beim Schnelldurchlauf der Fahrtechniken am ersten Kurstag schmerzhaft Lehrgeld zahlen und mir wurden meine Schwächen (enge Kurven, Wurzelabsätze) ebenfalls deutlich aufgezeigt. Allerdings nahm ich auch viele wertvolle Tipps mit, angefangen von der richtigen Position auf dem Bike, über die von mir bislang völlig unterschätzte Absenkung des Sattels, bis hin zum sehr viel stärkeren Einsatz der Vorderradbremse.

Am zweiten Tag ging es dann gleich ins Gelände auf die Wurzeltrails am Sonneckgrat und der Iberger Kugel. Marcel musste verletzungsbedingt passen und so kam ich ungewollt in den Genuss eines Einzelcoachings bei TrailXperience-Guide Alex. Und das hat sich absolut gelohnt. Die Schlüsselstellen auf den Trails wurden erst mal analysiert und die möglichen Fahrlinien vorbesprochen und vom Lehrmeister vorgefahren. Dann durfte ich die Wurzelmonster unter seiner kritischen Beobachtung selbst in Angriff nehmen. Fahr- und Haltungsfehler wurden erneut analysiert (auch per Video) und die Passagen erneut abgefahren. Und nach und nach lief es tatsächlich immer besser und ich fühlte mich immer wohler und sicherer. Dass sich bei einem Wegrutscher ein Schaltungshebel verabschiedete und ich fortan nur noch zwei Übersetzungen zur Verfügung hatte, geriet dabei völlig zur Nebensache. Interessante und hilfreiche Balance- und Kurvenübungen gab es zum Schluss auch noch.

Insgesamt war das Kurswochenende für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, hat Spaß gemacht und mir viel Sicherheit gebracht. Es wird bestimmt nicht mein letzter Fahrtechnik-Kurs gewesen sein, und ich kann jedem, der nicht nur auf flachen Forststraßen biken will, einen solchen nur wärmstens empfehlen. :-)

4. MTB-Bergsprint zum Schwarzen Grat

kuehnisny406Gut drei Monate nach der DM MTB Justiz ging es sich vergangenes Wochenende endlich mal wieder für ein kleines Rennen aus, wie unsere österreichischen Nachbarn zu sagen pflegen. Schon zum 38. Mal richtete der TV Isny am 28.09.2014 einen Berglauf von der Rehaklinik Überruh hinauf zum Aussichtsturm Schwarzer Grat aus und zum 4. Mal wurde im Rahmen dieser Veranstaltung auf fast gleicher Strecke bei bestem Spätsommerwetter auch ein MTB-Uphill-Rennen gestartet. 7,1km und 470hm ausschließlich auf Forststraßen klingt nicht allzu dramatisch, aber gleich nach dem fliegenden Start ging es eine ordentliche Rampe hoch, auf der sich meine Teamkollegen Robby und Franky mit ihren 7kg-Bikes und unser Youngster Patrick aus dem Staub machten und ich mich so auf Position 20 der gut 60 Starter einreihte. Einige waren wohl etwas zu schnell angefahren, mich eingeschlossen, denn die anfänglichen Leistungswerte von 400W und mehr pendelten sich bei einem 170er Durchschnittspuls bald um meinen Schwellenwert von 285W ein. Trotzdem konnte ich noch ein paar Konkurrenten einsammeln und wurde selber nicht überholt. Nach 26.03min sprang dann ein 15. Gesamtrang und Platz 2 bei den Senioren 2 hinter Teamkollege Franky heraus. Robby gewann die Elitewertung, Esther die U23-Wertung der Damen und Patrick wurde dritter bei den U23-Herren, was dem RSC AUTO BROSCH Kempten dann auch noch den Sieg in der Mannschaftswertung einbrachte. :-)

Abruzzen da capo

baschtl+ciaspone800Im Sommerurlaub 2013 hatte ich über STRAVA den Italiener “Ciaspone” kennengelernt, eine sehr sympathische lokale Bikegröße meiner Altersklasse aus Torrevecchia im Hinterland von Pescara. Wir blieben in Kontakt und vergangenes Wochenende lud er mich zu einer “STRAVA-Party” zu sich nach Italien ein. Untergebracht wurde ich in einer großzügigen Strandwohnung in Francavilla direkt am Meer und von Donnerstag bis Sonntag hatte er ein prall gefülltes MTB-, Rennrad- und Rahmenprogramm vorbereitet. :-)
Über den faszinierenden Nightride durch Chieti habe ich ja bereits in bewegten Bildern berichtet. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass wir auf der Runde auch einen lokalen Winzer mit leckerer Weinverkostung und eine Bar mit typisch italienischer Tomaten-Schinken-Brot Zwischenmahlzeit und Bier (?) besuchten.

siseAm Freitag zeigt mir “Ciaspo” auf dem Rennrad dann das bergige Hinterland der Majella, einem Bergmassiv inmitten eines Nationalparks mit Bergen bis zu knapp 2.800m Höhe. Ganz so weit hinauf kamen wir nicht, dafür durfte ich in dem antiken Städtchen Guardiagrele die lokale Spezialität “Sise delle Monache” kennenlernen, eine überaus leckere Süßspeise mit interessanter Namensgebung aus einem streng geheimgehaltenen Rezept mit Bisquitteig und Puddingfüllung.
131km und 1.770hm standen nach der Tour auf dem Garmin. Eigentlich genug, aber mein Gastgeber hatte für den Abend noch ein Treffen mit drei Freeridern aus Chieti ausgemacht, die zu einem “bayerischen Oktoberfest” nach Pescara kurbeln wollten. Die drei erwiesen sich als liebenswerte Spaßvögel, die vorzugsweise im Drift bzw. auf dem Hinterrad unterwegs waren. Zwischendurch gab es Tempoeinlagen mit über 40 Sachen durch den Abendverkehr.  Über den richtigen Weg zum Bierfest wurde häufig diskutiert, aber letztendlich fanden wir die Lokalität doch. Nach einem italienischen Weizenbier in einem 0,3l (!) Glas machte ich dann die 200km für diesen Tag voll.

Samstag morgen wurde ich in Francavilla von einer Rennradgruppe älteren Semesters abgeholt, angeführt vom “Capitano”, einem 67-jährigen Arzt mit zahlreichen Amateursiegen, der ein zügiges Tempo anschlug und den niemand überholen durfte. Trotz kräftigen Gegenwinds auf der Rückfahrt auf der Küstenstrasse fuhr er alles von vorne. Die Gruppe war hochkarätig besetzt: neben einem Rechtsanwalt mit feinstem Carbonmaterial, der seit 20 Jahren Triathlonwettkämpfe bestreitet, fuhr auch ein Carabinieri mit, der überraschenderweise keinerlei Anstoß daran nahm, dass wir sämtliche rote Ampeln (kontrolliert) ignorierten. Eine recht ungewöhnliche Erfahrung für mich. ;-)

stravatorteSamstag abend fand dann die besagte “STRAVA-Party” bei Ciaspone zu Hause statt. Er hatte zwei Dutzend befreundete STRAVA-Nutzer aller Alters- und Leistungsklassen eingeladen und tischte ein typisch italienisches mehrgängiges Menü auf. Alles war so lecker, dass ich nach den Vorspeisen eigentlich schon satt war. Als Hauptgericht gab es Arrosticini, eine Spezialität aus den Abruzzen: Schaffleisch wird in kleine Würfel geschnitten, mit Olivenöl bestrichen und auf Holzspießen gegrillt. Davon isst man dann nicht zwei oder drei, sondern zwanzig oder dreißig… Dass ich mich zwischendurch beim Tischfußball ordentlich blamiert habe, wurde zur Nebensache, als Massimo, ein rennradfahrender Eismeister, das Highlight der Dessertvariationen präsentierte: Eine STRAVA Eistorte. Schmeckte noch besser, als sie aussah! Die übrigen Kuchen etc. musste ich mir fürs Frühstück einpacken lassen.

Sonntag vormittag dann die Abschlußfahrt: eine Bikerunde mit einigen supernetten Jungs von A.S.D. BIKEPRO CHIETI SCALO, einem MTB-Team um BIKEPRO Shop-Inhaber Ivan Capone. Der Chef war auch mit am Start und zu zehnt ging es diesmal auf Stollenreifen in den Majella National-Park. Steinige Karrenwege und flowige Singletrails, genau das Richtige für mein Camber. Das Grunzen eines Wildschweines wurde auch vernommen, aber das Borstenvieh blieb zum Glück in Deckung. Auf dem Heimweg lud mich dann Davide spontan zu sich zum Essen ein und bewirtete mich reichlich mit zahlreichen lokalen Spezialitäten. Überhaupt war die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die mir in den Abruzzen ausnahmslos begegnete, bemerkenswert. Mille Grazie!

Specialized Camber Evo 29 2015

Das alte Bergamont Fastlane Team für die Gattin umgerüstet und plötzlich stand ich ohne Fully da. Geht ja gar nicht. Bergauf werd ich eh immer langsamer, also muss als Ersatz ein Bike her, das wenigstens bergab Spaß bereitet. Außerdem lautet die velominati Bike Rule #12: “While the minimum number of bikes one should own is three, the correct number is n+1, where n is the number of bikes currently owned. This equation may also be re-written as s-1, where s is the number of bikes owned that would result in separation from your partner.”
Die Referenz für MTBs in Kempten und näherer Umgebung ist Andy Fuß von Andys Bikes & Parts in Sulzberg, wo man regelmäßig die Local Heros antrifft, und kurioserweise deckte sich seine Empfehlung mit dem Bike, das ich mir von den Specs schon ausgeguckt hatte: ein Specialized Camber Evo 29 2015. Nach einem Wheeler 4500 als meinem ersten Mountainbike besaß ich Anfang der 90er schon ein Specialized Rockhopper und danach zwei Stumpjumper, Top-Bikes, die mich nie im Stich ließen. Back to the roots also.
Die Hersteller-Beschreibung des Camber ist vielversprechend: “..ein potentes Trail-Bike mit M5 Aluminium-Rahmen und 120mm Federweg vorne wie hinten. Die RockShox Reba Federgabel, die aggressiven Reifen und die hydraulischen Shimano Deore Scheibenbremsen machen dieses Camber zu einem leistungsstarken Bike mit hohem Spaßfaktor auf anspruchsvollen Trails und Abfahrten.”

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Und tatsächlich ist die Beschreibung nicht übertrieben. Nach den ersten Ausfahrten kann ich nur sagen, dass das Bike für meine Fahrkünste (noch) absolut überdimensioniert ist. Das Teil ist für ein 29er-Bike extrem wendig, liegt wie ein Brett auf ruppigen, wurzligen oder steinigen Abfahrten und zieht wie auf Schienen durch die Kurven.
Ok, bergauf gewöhnt man sich bei 12,9 kg Gesamtgewicht (Rahmengröße L mit Shimano XT-Pedalen nach Umrüstung auf Tubeless: Ventile liegen bei, Felgenband ist bereits eingezogen) an einen bescheidenen Vortrieb, wobei man Dank 22er Kettenblatt eigentlich überall hinaufkommt, aber bergab gibt’s Dauergrinsen gratis. Der Vorderreifen Specialized Butcher 2.3 (830g) macht seinem Namen alle Ehre und hackt jedes Hindernis klein. Am Hinterrad sorgt der Specialized Ground Control 2.3 (710g) für Traktion ohne Ende. Das einige, was ich bislang vermisst habe, ist eine Blockierung der Gabel. Wo der Fox CTD Dämpfer in der “C-Einstellung” fast vollständig blockiert, taucht die RockShox Reba im Wiegetritt auch in der “locked”-Position doch deutlich ein. Ist aber nicht weiter schlimm, muss man seinen Fahrstil halt entsprechend anpassen.
Die Austattung des Bikes ist Specialized-typisch buntgemischt. Bislang hab ich lediglich den etwas harten Original-Sattel (266g) gegen einen Selle Italia SLR Race (226g) getauscht. Die soliden und extra-breiten Roval-Laufräder und Reifen bieten neben der schweren SRAM-PG-1030 Kassette weiteres Tuningpotential.
Wer ein tourentaugliches Spaßbike für anspruchsvolle Abfahrten sucht, liegt hier absolut richtig. :-)