Zwift beta

Es herbstelt, draußen ist es kalt, naß und es wird früh dunkel, kurzum die Rollentrainer-Saison beginnt. Auf der Rolle zu fahren ist nicht Jedermanns Sache, das Landschaftserlebnis fehlt, die Zeit vergeht nicht und man schwitzt wie S**. Abhilfe versprechen seit einigen Jahren interaktive Rollentrainer mit PC-Anbindung. Bisher war und bin ich diesbzgl. mit der Tacx-Software TTS 3 und 4, bzw. in der Indoor Bike League aktiv. Aber die interaktiven Rollentrainer boomen und mit ihnen entsprechende herstellerübergreifende Online-Angebote wie z. B. Zwift aus Longbeach/California.

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Das A und O wie im echten Leben: Windschattenfahren

Derzeit noch in der (kostenlosen) Beta-Version bietet diese Software für PC und Mac aktuell zwei abwechselnd fahrbare Rundkurse (darunter den WM-Kurs 2015 in Richmond) an, auf denen man mit einem animierten Rennradfahrer-Avatar rund um die Uhr mit Gleichgesinnten weltweit um die Wette kurbeln kann.

Neben einem PC oder Mac und einem USB ANT+ Dongle braucht man alternativ
a) einen kompatiblen Rollentrainer mit Leistungsdatenübertragung per ANT+ (z. B. Wahoo KICKR, Tacx Smart Neo)
b) einen beliebigen Rollentrainer und ein ANT+ Powermeter am Rad (z. B. Stages, Garmin Vector, SRM etc.)
c) einen beliebigen Rollentrainer und einen ANT+ Geschwindigkeitssensor am Rad (z. B. den GSC10 von Garmin)
d) optional einen ANT+ Brustgurt für die Pulsmessung

Bei der Variante a) regelt Zwift den Widerstand der Rolle je nach Steigung/Gefälle, in den Varianten b) und c) bleibt der Widerstand gleich und Zwift berechnet die Geschwindigkeit anhand Leistung, Geschwindigkeit, Fahrergewicht etc. virtuell. 

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Eine der zahlreichen Ansichtseinstellungen

Es gibt Segmente (Sprints, Bergwertungen) und Rundenwertungen mit entsprechenden Klassements. Seinen virtuellen Avatar kann man mit fortschreitender Kilometerleistung “pimpen”. Zahlreiche Trikots, Bikes und Laufräder können “erfahren” werden.

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Belohnung für 3 Stunden Schinderei: ein Spezial-Trikot

Während der Fahrt kann man über den Computer oder mittels kostenloser “Zwift Mobile Link” App (IOS und Android) mit seinen Kollegen chatten, sie anklingeln und beglückwünschen, seinen Avatar grüßen oder mit dem Ellenbogen zum Führungswechsel auffordern lassen. Nice.

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Group-Ride – Mit der Meute unterwegs

Nahezu täglich gibt es “Group Rides”, auf denen man vom Windschatten einer größeren Gruppe profitieren bzw. ein virtuelles Rennen in einem großen Feld fahren kann. Daneben finden zahlreiche spezielle Veranstaltungen statt. Am 01.11.2015 steigt z. B. das “Zwift Team World Event“, ein Rennen, bei dem man für sein “Nationalteam” startet. Die gefahrenen Einheiten lassen sich automatisch zu STRAVA hochladen oder als fit-Dateien zur Verwendung in anderen Portalen herunterladen.

So siehts dann bei einem Zwift Rennen aus:

Insgesamt eine äußerst spassige Sache, die für jede Menge Abwechslung und Motivation auf der Rolle sorgt. Der besondere Reiz von Zwift liegt darin, dass zum einen immer zahlreiche andere Fahrer(innen) auf dem Kurs unterwegs sind (bei meinen bisherigen Rides waren es jeweils zwischen 50 und 200) und dass man Dank der gelungenen Umsetzung des Windschattenfahrens (fast) ein echtes Gruppentrainingsfeeling erlebt. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall und man darf gespannt sein, was sich die umtriebigen Zwift-Programmierer noch alles für die finale Version einfallen lassen.
Und wer meint, das Ganze sei ein Computer-Spiel ohne Trainingseffekt, wird sehr schnell eines Besseren belehrt, denn hier sind neben Freizeitfahrern auch zahlreiche Top-Athleten unterwegs, denen man kaum im Windschatten folgen kann.

Nützliche Links:
– Offizieller Zwift Youtube-Channel
– Zwift Riders – Gruppe bei facebook
– Inoffizielles Zwift Manual
– Group Rides Kalender

Tacx Flow Multiplayer – Erster Eindruck

Der Winter kommt ja jetzt wohl doch noch und da steigt man vielleicht lieber drinnen in der trockenen, warmen Stube als draußen im kalten Schmuddelwetter aufs Rad. Allerdings ist es auf Dauer ziemlich langweilig, immer nur auf der Stelle zu treten. Abhilfe verspricht ein Rollentrainer mit PC-Anbindung wie z. B. der Tacx Flow Multiplayer T2220, der mit einem Straßenpreis von rund 350,- € noch relativ erschwinglich ist. Meine ersten Erfahrungen damit will ich hier mal schildern.

Der Aufbau des kompakt verpackten Geräts ist zwar relativ simpel, aber es dauert schon ein Stündchen, bis man alles zusammengeschraubt und angeschlossen hat. Der Lenkrahmen hat den Vorteil, dass man kein Vorderrad und damit auch keine Vorderradstütze braucht und das Rad durch die Fixierung der Gabel stabiler als auf meinem Tacx Satori wirkt. Nachteil gegenüber herkömmlichen Rollentrainern: man braucht einen Stromanschluß für die elektromagnetische Bremse und hat zusätzlich ein bisschen Kabelsalat durch ein Verbindungskabel von der Bremse zum Steuergerät am Lenker, ein Verbindungskabel von der Bremse zum Trittfrequenzsensor, ein Verbindungskabel vom Lenksensor zum Steuergerät und ein USB-Kabel vom Steuergerät zum PC.

Im Lieferumfang enthalten war die Tacx Trainer Software in der Version 3.5. Seit ein paar Tagen kann man online  auf die Version 3.6 updaten. Die Installation und die Erkennung des Flow verliefen bei mir unter Windows 7 64bit problemlos. Ein Pulsmessgerät ist nicht enthalten. Die Software soll aber mit allen gängigen uncodierten Brustgurten funktionieren. Bei mir tat es ein Sigma-Sport-Gurt von einem alten, einfachen Radcomputer. Nach dem Anlegen eines Benutzers und ein paar Setup-Einstellungen kann man loslegen. Zur Auswahl stehen 6 verschiedene Trainingsmodi:

1. Catalyst

Damit kann man gezielt nach Leistung, Distanz, Puls Steigung und Zeit entweder frei mit individuell veränderbaren Werten oder mit vorinstallierten oder selbst angelegten festen Trainingsprogrammen fahren. Während des Trainings sieht man sämtliche gemessenen Werte auf anschaulichen Grafiken in Echtzeit angezeigt.

2. Real Life Video

Die vielleicht bekannteste Trainingsform sind Videos von Original Rennstrecken bzw. Alpenpässen oder sonstigen schönen Strecken. Im Lieferumfang enthalten ist eine Demoversion von einem Training, bei dem man hinter den beiden Schleckbrüdern her fährt.

Die Videos laufen so schnell (oder langsam) ab, wie man selbst tritt. Der Widerstand der Bremse passt sich dabei der aktuellen Neigung der Strecke an. Das funktioniert ganz gut, allerdings erscheinen mir die Geschwindigkeitswechsel bei größeren Neigungsänderungen zu abrupt und zu stark, z. B. rollt man mit 30 km/h in einen kleinen Berg hinein und fährt innerhalb weniger Sekunden bloß noch 9 km/h (kann aber auch an meinen Beinen liegen). Die Beschleunigung bergab kommt auch eher einem Motorrad als einem Fahrrad nahe, aber unter dem Strich entspricht der errechnete Schnitt ziemlich genau meinem Gefühl bzw. meinen Werten “in Echt”. Hat man die Strecke schon mal selbst gefahren oder die Daten eines anderen Fahrers aus dem BikeNet geladen, kann man gegen bis zu 19 virtuelle Gegner fahren und sieht deren Position auf dem Streckenprofil. Die Originalen Tacx-Videos kosten jeweils um die 30,- €, eine günstigere Alternative sind kompatible Videos von Real Life Video, u.a. mit zwei sehr schönen Strecken aus dem Allgäu.

3. ErgoVideo

Funktioniert ähnlich wie das Real Live Video – Training, nur läuft der Film hier in Echtzeit ab und man muss die Leistung der Fahrer auf dem Video treten.

4. Real Life Training

Funktioniert wie das Real Live Video – Training, nur gibt es hier kein Video, sondern man fährt Strecken aus der Google Earth Perspektive ab. Dazu kann man GPX-Aufzeichnungen importieren oder sich Trainings anderer aus dem BikeNet herunterladen. Interessant, weil hier sowohl Daten von irgendwelchen Radrennen als auch sonstige Strecken aus aller Welt zur Verfügung stehen. Auch hier kann man gegen virtuelle Gegner antreten, deren Position auf dem Google Earth Bild und dem Streckenprofil dargestellt wird.

Das oben angezeigte Bild ist nur eine von mehreren Darstellungsvarianten. Man kann die angezeigten Fenster fast beliebig ein und ausblenden.

5. Virtual Reality

Wie der Name schon sagt fährt man hier in einer künstlichen Welt, ähnlich wie in einem PC-Game. Es gibt eine Vielzahl von Strecken auf der Straße, im Gelände und sogar auf einer Radrennbahn.

Man kann hier bis zu 5 Gegner auswählen, entweder aus eigenen, früheren Daten, oder Daten anderer aus dem BikeNet oder durch Duplizieren von Gegnern, deren Schnitt man frei einstellen kann. Diese Fahrer und sich selbst sieht man dann während des Trainings als animierte Rennfahrerfiguren in verschiedenen Perspektiven. Die Darstellung ist von der (einstellbaren) Qualität nicht mit aktuellen PC-Spielen zu vergleichen aber trotzdem ganz nett anzusehen. Der eigene Fahrer fährt z. B. mit der eigenen Trittfrequenz, geht auch mal aus dem Sattel, kleine Tiere queren die Fahrbahn etc.. Auf den virtuellen Strecken kann man mit Lenksensor fahren, d. h. man muss selbst lenken, um der Strecke zu folgen. Die Streckenführung ist manchmal nicht leicht zu erkennen, es lässt sich aber ein Richtungspfeil einblenden. Den Lenksensor habe ich bald ausgestellt und mich automatisch führen lassen, weil es auf winkligen Kursen ganz schön schwierig ist, auf der Strecke zu bleiben. Die Kids fanden es allerdings ganz lustig, wenn ich von der Strecke abgekommen und im Zickzack durch den Wald gefahren bin…

6. Multiplayer

Statt gegen virtuelle Gegner zu fahren, kann man dies auch gegen “echte” tun, d.h. sich über das Internet mit anderen Multiplayer-Nutzern verbinden und in Echtzeit “racen”. Im Lieferumfang des Tacx Flow Multiplayer ist eine Multplayer-Lizenz für ein Jahr enthalten, die sonst 40,- € kostet. Funktionierte der Multiplayer-Modes in der Version 3.5 noch so gut wie gar nicht, hat Tacx mit der Version 3.6 jetzt einen eigenen Server zur Verfügung gestellt und jetzt  klappt es ganz ordentlich.

Entweder meldet man sich vor dem geplanten Start eines schon organisierten Rennens dort an, oder man organisiert mit wenigen Mausklicks selbst eins und wenn man Glück hat, finden sich schnell ein paar andere Teilnehmer ein. Gefahren werden können Catalyst-, Real Life Video-, Real Life Training- und Virtual Reality-Races. Während des Rennens sieht man die Zeitabstände der anderen eingeblendet bzw. bei Virtual Reality deren animierte Figuren an der tatsächlichen Position. Für ein GA-Training sicher weniger geeignet, aber wer sich zwischendurch mal ein bisschen auspowern will, für den ist es eine nette Abwechslung.:-)

Alle Trainings können gespeichert werden und lassen sich mit zahlreichen aufgezeichneten Daten im sogenannten Analyser auswerten, sowie als .hrm-Dateien exportieren und z.B. in Sportics oder in Sport Tracks einlesen.

Fazit: Den Aufpreis gegenüber einem vergleichbaren Rollentrainer ohne PC-Anbindung ist der Tacx Flow Multiplayer wert. Man kann nicht nur individueller trainieren, sondern es ist auch bedeutend kurzweiliger und macht mehr Spaß. Allerdings braucht man zum Fahren immer Strom und einen PC mit der installierten Tacx Trainer Software.