RSC Tourenfahrt nach Vorarlberg

Beim RSC AUTO BROSCH Kempten wird nicht nur erfolgreich um Siege und Platzierungen gekämpft, es gibt auch viele Tourenfahrer, die zur Sommerzeit jeden Samstag größere gemeinsame Ausfahrten unternehmen. Heute ging es bei bestem Hochsommerwetter über Niedersonthofener See, Alpsee, Oberstaufen hinauf ins österreichische Sulzberg. Bis dorthin und wieder hinunter hab ich mich eingeklinkt und ein paar Impressionen gesammelt…

Musik: Dark Loris – Lamas Every Day

Mann gegen Motor

Heute war ich mal wieder im Namen des Herrn – äh der holden Gattin – unterwegs: Feinstes Haarpflegemittel wurde gewünscht und das gibts nur in einem Friseursalon im fast 50km entfernten, 1.000m hoch gelegenen Sulzberg/Vorarlberg. Also bei 6 Grad dick angezogen und mit dem Rennrad über Buchenberg und Maierhöfen gen Südwesten gerollt. Vorgestern hatte es ab 800m das erste Mal geschneit und so kam ich zwischen der teilweise geschlossenen Schneedecke links und rechts der Strassen erstmal nicht ins Schwitzen.

Nach Oberreute sah ich ca 200-300m vor mir einen Zivilisten auf einem Tourenrad den Berg hoch fahren und kam ihm nur allmählich näher. Als ich dann bis auf 50m dran war und es fast flach geworden war, blieb der Abstand plötzlich gleich. Da der Herr auch mit einer unnatürlich niedrigen Trittfrequenz unterwegs war, kam ein böser Verdacht auf: Der wird doch nicht…
Also aufs große Blatt geschalten und rangekämpft. Und tatsächlich: Das Alu-Monster mit Kalkhoff-Aufschrift hatte einen ziegelsteingroßen Akku am Sattelrohr. Im Windschatten lies es sich ganz gut mitrollen. Durch die aufrechte Sitzposition meines Vordermannes, einem Mittfünfziger mit sonnengegerbtem Gesicht und gegelten blonden Haaren, der in seiner braunen Wildlederjacke aussah wie der Zwillingsbruder des bekanntesten Old Shatterhand Darstellers,  kam ich mir ein bisschen vor wie hinter einem Stehermotorrad.
Bald wurde der Anstieg etwas steiler und mein Führungsfahrzeug langsamer. Ich fuhr neben ihn hin und munterte ihn auf: “Gib Stoff”. Er erschrak kurz, fühlte sich dann aber sichtlich geschmeichelt, antwortete “kein Problem”, drückte an dem Bedienelement am Lenker herum, trat kräftig in die Pedale und zog am Horn bzw. in seinem Fall am Gesundheitslenker. Ich lies mich wieder an sein Hinterrad zurückfallen.
Nach kurzer Zeit wurde es wieder steiler und er immer langsamer. Zu langsam. Ich fuhr wieder neben ihn hin, schaute zu ihm rüber und wusste: er war am Ende, mehr gab das Motörchen nicht her. Umfallen wollte ich im Anstieg aber auch nicht, deswegen erhöhte ich die Schlagzahl, zog weg und sicherte mir überlegen die Bergwertung der 12. Kategorie am Ortsschild von Sulzberg. :-)
Kaum hatte ich im Friseursalon die wertvollen Tuben verstaut, stand Lex Barker in der Tür. Offensichtlich hatte er einen Termin zum Nachgelen. “Ich war schneller.” grinste ich ihn an. “Das hab ich gemerkt,” antwortete er leicht säuerlich “aber ich hab ja auch nicht so einen schicken Anzug an.” Hä?
Mein “Anzug” bestand übrigens aus Windstopper-Trikot, Rennhose und Beinlingen im Sponsor-Design des RSC Logwin Kempten. Wer also auch so schick herumfahren will: Mitglied werden… ;-)
Tagesbilanz: 3:29h 92km 1.180hm Sportics.net Aktivität

Durchs Rohrmoos Tal nach Vorarlberg

Kurzfristig kehrte heute der Sommer zurück ins Allgäu und so gab es endlich  mal wieder Gelegenheit für eine längere Rennradrunde. Über die alte B19 ging es nach Immenstadt und auf Nebenstraßen über Blaichach, Hüttenberg, Ofterschwang und Bolsterlang unterhalb der Hörnerkette bis Obermaiselstein. Kurz nach der Ortsdurchfahrt führt die Strasse durch den sogenannten Hirschsprung, eine kleine aber  imposante Schlucht, die der Sage nach ein Hirsch auf der Flucht vor einem Luchs übersprungen haben soll. Naja, wers glaubt. Zumindest zeigt das Wappen von Obermaiselstein eine springenden Hirsch.

Vom Hirschsprung führt übrigens ein Fußweg zur Sturmannshöhle, der einzigen begehbaren Höhle im Allgäu. Ca. 1km nach dem Hirschsprung zweigt in Tiefenbach die Strasse durchs Rohrmoos Tal ab, einer Ost-West-Verbindung von Oberstdorf nach Österreich südlich des Riedbergpasses. Bis Rohrmoos selbst gegen Maut für Kraftfahrzeuge befahrbar führt sie danach als Privatstrasse autofrei und nur von Radfahrern und Wanderern genutzt über den kaum spürbaren Rohrmoossattel (1070m) und die österreichische Grenze nach Vorarlberg. Bei meiner letzten Befahrung vor 2 Jahren gab es vor Sibratsgfäll noch ein kurzes Stück Naturstrasse aber mittlerweile ist das Weglein durchgehend bestens asphaltiert.

Nach Sibratsgfäll steigt die Strasse nochmal mäßig steil an und mündet nach einer flotten Abfahrt in die Westauffahrt zum Riedbergpass. Ich fuhr in die andere Richtung nach Hittisau und über Krumbach, Doren hinauf ins österreichische Sulzberg mit einer sehenswerten Panorama-Terrasse. Von dort ging es über Oberreute, Grünenbach am Eistobel vorbei  nach Nellenbruck und über Wengen, Buchenberg zurück nach Hause. Bei Rutzhofen kam mir ein grauhaariger Senior entgegen, der sich serpentinenfahrend den Berg hochquälte und fragte, wie weit es noch nach Oberstaufen ist. Meine (gut geschätzte) Antwort “10 bis 15km aber da gehts immer bergauf  und bergab” nahm er wortlos zur Kenntnis und ich hoffe, dass er noch gut angekommen ist…  4:42h 130km 1.898hm Sportics.net Aktivität