Heute war ich mal wieder im Namen des Herrn – äh der holden Gattin – unterwegs: Feinstes Haarpflegemittel wurde gewünscht und das gibts nur in einem Friseursalon im fast 50km entfernten, 1.000m hoch gelegenen Sulzberg/Vorarlberg. Also bei 6 Grad dick angezogen und mit dem Rennrad über Buchenberg und Maierhöfen gen Südwesten gerollt. Vorgestern hatte es ab 800m das erste Mal geschneit und so kam ich zwischen der teilweise geschlossenen Schneedecke links und rechts der Strassen erstmal nicht ins Schwitzen.
Nach Oberreute sah ich ca 200-300m vor mir einen Zivilisten auf einem Tourenrad den Berg hoch fahren und kam ihm nur allmählich näher. Als ich dann bis auf 50m dran war und es fast flach geworden war, blieb der Abstand plötzlich gleich. Da der Herr auch mit einer unnatürlich niedrigen Trittfrequenz unterwegs war, kam ein böser Verdacht auf: Der wird doch nicht…
Also aufs große Blatt geschalten und rangekämpft. Und tatsächlich: Das Alu-Monster mit Kalkhoff-Aufschrift hatte einen ziegelsteingroßen Akku am Sattelrohr. Im Windschatten lies es sich ganz gut mitrollen. Durch die aufrechte Sitzposition meines Vordermannes, einem Mittfünfziger mit sonnengegerbtem Gesicht und gegelten blonden Haaren, der in seiner braunen Wildlederjacke aussah wie der Zwillingsbruder des bekanntesten Old Shatterhand Darstellers, kam ich mir ein bisschen vor wie hinter einem Stehermotorrad.
Bald wurde der Anstieg etwas steiler und mein Führungsfahrzeug langsamer. Ich fuhr neben ihn hin und munterte ihn auf: “Gib Stoff”. Er erschrak kurz, fühlte sich dann aber sichtlich geschmeichelt, antwortete “kein Problem”, drückte an dem Bedienelement am Lenker herum, trat kräftig in die Pedale und zog am Horn bzw. in seinem Fall am Gesundheitslenker. Ich lies mich wieder an sein Hinterrad zurückfallen.
Nach kurzer Zeit wurde es wieder steiler und er immer langsamer. Zu langsam. Ich fuhr wieder neben ihn hin, schaute zu ihm rüber und wusste: er war am Ende, mehr gab das Motörchen nicht her. Umfallen wollte ich im Anstieg aber auch nicht, deswegen erhöhte ich die Schlagzahl, zog weg und sicherte mir überlegen die Bergwertung der 12. Kategorie am Ortsschild von Sulzberg. ![]()
Kaum hatte ich im Friseursalon die wertvollen Tuben verstaut, stand Lex Barker in der Tür. Offensichtlich hatte er einen Termin zum Nachgelen. “Ich war schneller.” grinste ich ihn an. “Das hab ich gemerkt,” antwortete er leicht säuerlich “aber ich hab ja auch nicht so einen schicken Anzug an.” Hä?
Mein “Anzug” bestand übrigens aus Windstopper-Trikot, Rennhose und Beinlingen im Sponsor-Design des RSC Logwin Kempten. Wer also auch so schick herumfahren will: Mitglied werden… ![]()
Tagesbilanz: 3:29h 92km 1.180hm Sportics.net Aktivität


